Bürgerfreundliche Architektur
Die Lüftungsschächte wurden verstärkt mit Lochplatten verkleidet (Foto: Knauf/P. Kubelka)
"Haus der Bürger" für Marktgemeinde Nenzing in Vorarlberg
Die zwischen Bludenz und Feldkirch gelegene Marktgemeinde Nenzing, nicht unweit der Grenze zu Liechtenstein, leistet sich ein neues Rathaus. Nicht irgendein Rathaus, sondern es soll als ein "offenes Haus der Bürger" fungieren, das der Bevölkerung eine rasche und bürgernahe Verwaltung bietet.
Keine Schwellen für den Bürger
So beherbergt das Rathaus im Foyerbereich eine zentrale Informations- und Anmeldestelle nahe beim Eingang, die ganztägig auch außerhalb der üblichen Amtsstunden zur Verfügung steht. Bürgernähe und Transparenz waren die Zielsetzungen der Planung. Als Dach wurde ein flach geneigtes Walmdach mit bewährter Kupferblecheindeckung verwendet. Bei der Wahl der Fassadenverkleidung entschied man sich seitens der Gemeinde für eine vorverwitterte "Kupferblechfassade". Gemeinsam mit den größeren Glas-Fassadenflächen vermittelt das neue Rathaus ein funktionelles und modernes Erscheinungsbild, das trotz seiner Schlichtheit für aufsehen im Ortsbild sorgt. Im Gesamtprojekt ist auch der Um- und Erweiterungsbau des angrenzenden ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses, dem so genannten "Wolf-Haus" mit einbezogen. In diesem Gebäude befinden sich in der Zwischenzeit öffentliche Einrichtungen, wie beispielsweise die Mütter- und Energieberatungsstelle. Zwischen den beiden Objekten ist eine eingeschossige Tiefgarage mit 23 PKW-Parkplätzen errichtet worden, die ebenfalls öffentlich zugänglich ist. Auch das unterirdische historische Archiv mit über 100 m² Nutzfläche erfüllt voll seine Funktion. Neben den bereits erwähnten Bauvorhaben wurde auch die Neugestaltung des Rathausplatzes mit der Errichtung eines Brunnens und einer einheitlichen Granitsteinpflasterung in das Gesamtprojekt einbezogen.
Modernität und Transparenz auch im Inneren
Die Anforderungen, die an das planende Architekturbüro Rainer + Amann aus Feldkirch gestellt wurden, waren klar vorgegeben. Die Grundstruktur des Gebäudes sollte belassen und die Fläche erhalten bleiben. Das in den Jahren 1956- 58 errichtete alte Gemeindeamt war für die Verwaltung in der Zwischenzeit zu klein geworden. Zuerst wurde das Wolf-Haus saniert und ein moderner Zubau errichtet. Die Gemeindeverwaltung konnte das Wolf-Haus während der Bauarbeiten am Rathaus ungestört benutzen.
Die Trägerdecken waren statisch ausgereizt, es mussten Ungleichheiten angepasst und Übergänge auf Linie gebracht werden - ideale Bedingungen für den trockenen Innenausbau, der von dem ortsansässigen Unternehmen Willi Neier ausgeführt wurde.
Das Innere des neuen Nenzinger Rathauses ist ebenfalls ganz auf Transparenz und Modernität ausgerichtet. Das dreistöckige Gebäude verfügt über eine Be- und Entlüftungsanlage, die mit Hilfe des Trockenbaus "versteckt" wurde. So wurden die Lüftungsschächte zum Teil mit 12,5 Gipsplatten jedoch vorwiegend mit Knauf Akustikplatten verkleidet. Auch bei den Deckenbekleidungen in den diversen Räumlichkeiten entschied man sich seitens der Planer für die gelochte Knauf Akustikplatte. Die Vorteile dieses Deckensystems liegen auf der Hand: eine perfekte Kombination aus wirksamer Schallabsorption und repräsentativem Aussehen.
Neuer Blickfang auch nächtens
Das Gebäude bildet auch in der Nacht einen architektonischen Fixpunkt im Ortsbild der Marktgemeinde Nenzing, da es wie der vorgelagerte Brunnen beleuchtet ist und für Helligkeit am neugestalteten Rathausplatz sorgt, der in Hinkunft für Feste und Veranstaltungen genutzt werden wird. Das erste Fest auf dem neugestalteten Platz fand bereits statt. Das "Haus der Bürger" wurde vor kurzem im feierlichen Rahmen seiner Bestimmung übergeben.