Neues Leben für imperiales Gebäude
Sanierung auf höchstem Niveau
2003 erwarb die Firma KPMG Austria, Teil eines internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsnetzwerkes, ein Gebäude in der Wiener Porzellangasse. Dieses war 1901 von der Austria Tabak Regie erbaut und bis 2001 als Verwaltungsgebäude genutzt worden. Bei der aufwendigen Adaptierung setzte man voll und ganz auf Trockenbausysteme.
Nach einer intensiven Planungsphase und einer Bauzeit von 15 Monaten wurde das mehr als einhundert Jahre alte Haus zu einem modernen funktionellen Bürogebäude für 550 MitarbeiterInnen umgebaut. Dem Grazer Architekten Hans Gangoly gelang es vorhandene Qualitäten des Gebäudes zu reaktivieren und auf den 14.000 m² eine moderne und zeitgemäße Infrastruktur zu schaffen.
Transparenter Verteiler im Hof
Ein Angelpunkt der organisatorischen Veränderungen war die Neuordnung des Erschließungssystems zur eindeutigen Trennung von Kunden und Mitarbeiterbereichen sowie die Definition der ehemaligen Durchfahrt als Haupteingang und Empfangshalle. Wichtigstes bauliches Element dieser Maßnahme ist eine Ypsilon-förmige Glasgangway im Innenhof, die den Empfangsbereich mit der Meetingzone und dem Veranstaltungszentrum verbindet. Der Gang zerteilt als transparentes Element den Hof. Die Stahlkonstruktion des Gangs wurde hinter einer abgehängten Decke bestehend aus zweifach beplankter 15mm Knauf Feuerschutzplatte "versteckt". Durch die Einfachverglasung ist man ist für kurze Zeit den draußen herrschenden Bedingungen ausgesetzt, zwar geschützt, aber nicht völlig abgeschirmt.
Brand- und Schallschutz
Ein weiterer Brennpunkt der Sanierung war die komplette Neukonzeptionierung des Dachgeschosses. Hier, wo früher Werkstätten und Lagerräume waren, wurde die Raumhöhe angehoben und ein großzügiger Konferenz- und Seminarbereich mit Blick über den Liechtensteinpark geschaffen. Im kleinen Veranstaltungsraum findet sich eine großzügige Knauf Akustiklochdecke mit integrierter Beleuchtung wieder, unterbrochen von mit Brandanstrich versehenen Deckenträgern des alten Gebäudes. Für den Projektleiter des verantwortlichen Trockenbauunternehmens, Akustik Blasch aus Wiener Neudorf, Prok. Gerhard Harnis, stellte der Bereich eine gewisse Herausforderung dar: "Oft hat uns der Altbestand des Hauses zu gewissen "planerischen Detailimprovisationen" gezwungen. Gerade im Dachgeschoss musste man besonders auf die Brand- und Schallschutzanforderungen Rücksicht nehmen, die mit Knauf Feuerschutzplatten dementsprechend umgesetzt wurden." In der Lüftungszentrale, die ebenfalls im Dachgeschoss untergebracht ist, wurde für den "Außenbereich" Aquapanel© Cement Board eingesetzt.
Vorhandene Strukturen stärken
Der Umgang mit den Bürozonen wurde von der Entscheidung bestimmt, vorhandene funktionierende Strukturen anzuerkennen und in diesem Rahmen die notwendigen Adaptierungen vorzunehmen. So wurden die Gangtrennwände zwischen den Büros doppelt beplankt, um den Schallschutz zu gewährleisten. Teilweise wurden die alten restaurierten Fenster wieder eingebracht. Flächen wurden so weit wie möglich geöffnet und in Abstimmung auf die dahinterliegenden Büros mit Funktionen wie Teeküchen und Besprechungszonen belegt. Bedruckte Screens in den Korridoren markieren die Punkte, hinter denen sich die entsprechenden Funktionen verbergen und prägen durch ihre Lichtdurchlässigkeit die jeweiligen Bereiche atmosphärisch. KPMG wählte mit der Zentrale der Tabakregie in der Porzellangasse eine schon bekannte Adresse und hatte den Ehrgeiz, diesem alten Gebäude ein zeitgemäßes neues Leben einzuhauchen, ein wichtiger Beitrag zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur der Stadt.