Aufnahmen für höchste Ansprüche
Aus einem anderen Winkel betrachtet, ergeben sich neue Perspektiven (Foto: Knauf/P. Kubelka)
In Ebreichsdorf, südlich von Wien, entstand ein Tonaufnahmestudio der Sonderklasse.
In der für die Vienna Symphonic Library errichteten Aufnahmehalle werden die physikalischen und architektonischen Grenzen herkömmlicher Tonstudios bei weitem überschritten.
„Das Auge bringt den Menschen in die Welt, das Ohr bringt die Welt in den Menschen“
In Anlehnung an dieses Zitat kann das Projekt VSL- Silent Stage als revolutionäre Umsetzung einer Methode betrachtet werden, die neue (technologische, musikalische und künstlerische) Welten erschließt. Die bislang gängige Praxis der Mikrophonie bei Orchesteraufnahmen ist zwar allgemeiner Usus, unterliegt aber nachweislich deutlichen Mängeln, die in der traditionellen Aufnahmetechnik nicht auszumerzen sind. Weniger ausgeprägt fallen diese Mängel ins Gewicht bei der Mikrophonie kompletter Orchester, sehr wohl aber bei der Technik des Sampelns einzelner Instrumententöne, da hier völlig geänderte physikalische Bedingungen zum Tragen kommen. Um das signifikante Klangvolumen eines gesamten Orchesters aus den einzeln gesampelten Tönen reproduzieren zu können, ist es nötig, die Einzelinstrumente mit speziellen Aufnahmeverfahren zu erfassen. Dies bedingt derart hohe Verstärkungsfaktoren (60 – 70 dB) des analogen Signals, dass Geräusche (Straßenlärm, Körperschallübertragungen, Grundgeräuschpegel etc.), die im allgemeinen nicht wahrgenommen werden, als absolute Störfaktoren (Nebengeräusche) virulent werden.
Die Errichtung eines eigenen Studiokomplexes (2 Regieräume, 1 Aufnahmeraum), der exakt den Anforderungen für die neue Technologie gerecht wird, stellt eine adäquate, sinnvolle und finanziell interessantere Lösung dar. Das Team der Firma tonarchitektur zeichnet sich verantwortlich für Konzept und Design des neuen Studiokomplex der VSL (Vienna Symphonic Library). Am 3. Februar 2002 fand bereits die erste Aufnahme statt.
Beschwingter Raum ohne Grenzen
Nach der Herausforderung bei diesem Projekt befragt, nennt der Trockenbauer Johann Löffler aus Purgstall ohne lange zu überlegen, die kurze Bauzeit. Er hatte knapp viereinhalb Wochen Zeit, um das außergewöhnliche Projekt zu verwirklichen. Das Tonstudio wurde in Modulbauweise errichtet, d.h. die Module wurden in Rahmen zerlegt und innerhalb von zwei Tagen erfolgte die gesamte Rohkonstruktionsmontage. Zu diesem Zweck mussten die einzelnen Module von Löffler und seinem Team vorgefertigt werden, um die geforderte Bauzeit einhalten zu können. Die Montage der einzelnen Teile erfolgte dann vor Ort.
Sämtliche geschlitzten Gipsplatten sind mit Mineralwolle hinterlegt und verbessern die Akustik des Raumes nachhaltig. Die Übergänge der Platten sind sauber verspachtelt. und bewirken so einen homogenen Zusammenhang. Gleichzeitig dient die Konstruktion als Schallabsorber und unterstützt die Akustik innerhalb des Aufnahmesaals. Die Wirkung wird zusätzlich durch die Gestaltung der Deckenflächen verstärkt. Deckensegel aus glatten Holz flächen mit integrierter Beleuchtung tragen das Ihre dazu bei. Günstige Reflexionen und diffuse Schallfelder werden durch eine Vielzahl akustischer Maßnahmen erzeugt, die sich hinter den Flächen der Wände und Decken verbergen. Programmatischer und gestalterischer Schwerpunkt des Gebäudes ist der Aufnahmeraum. Das neue Tonstudio in Ebreichsdorf zeigt, dass Wandsysteme von Knauf anspruchsvollste Lösungen ermöglichen – gestalterisch wie akustisch. Das interessante Design und die Farbe rot im Aufnahmestudio unterstreichen die architektonischen Formen nachhaltig und machen deutlich, dass dort Aufnahmen für höchste Ansprüche produziert werden.