Höchste Baustelle in Österreich im Jahr 2010
Öko-Haus auf dem Kärntner Dobratsch
Auf einer Höhe von 2143 m wurde von Mitte Juli bis Mitte Dezember 2010 an einem neuen Gipfelhaus am Dobratsch gebaut. Es wurde ein nach Passivhausstandard in Holzbauweise errichtetes Öko-Haus mit traumhaftem Panoramablick errichtet. Innovatives Denken und Handeln waren nicht nur bei der Planung, sondern auch bei der Logistik der höchsten Baustelle im Jahr 2010 in Österreich gefragt. Der Trockenbau spielte eine wichtige Rolle.
Das alte Gipfelhaus wurde komplett abgetragen, da eine Sanierung sich nicht mehr rechnete. Doch man verwendete vom ehemaligen 1907 errichteten Ludwig-Walter-Haus einige Materialien, um hier bereits nachhaltig zu agieren und vorhandene Ressourcen einzusetzen. So wurden die Kalksteine zerschreddert und auf Wege aufgebracht. Die Alufassade des alten Gipfelhauses verkleidet nun den neuen Eingang und auch die Dachdeckung wurde wieder verwendet. Auch der Holzvergaserkessel des neuen Hauses wird mit dem alten Dachstuhl mindestens zehn Jahre befeuert werden können. Doch dies ist nicht die einzige Energiequelle des Neubaus, ganz im Gegenteil. So finden sich eine 90 m² große Solaranlage an der Südseite des Öko-Hauses und eine 45 m² große Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung. Was ist sonst noch an Technik integriert worden? Ein kontrolliertes Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung, Toiletten mit Vakuumtechnik und eine Trinkwasseraufbereitungsanlage, gesammeltes Regenwasser wird verwendet. Kein Wunder, denn bei Vollauslastung benötigt die Küche des Gipfelhauses 1000-1200 l Wasser täglich. Generell hat man versucht, möglichst viele Dinge die seitens der Natur angeboten werden zu nutzen, um den laufenden Transport auf den Gipfel möglichst gering zu halten. Nachhaltigkeit ist in diesem Fall nicht nur ein Schlagwort, sondern wird auch gelebt.
Herausforderung Logistik
Neben den strikten budgetären und zeitlichen Vorgaben stellte auch die Logistik bei diesem Projekt eine weitere große Herausforderung dar, die sich der planende Architekt DI Günter Weratschnig stellen musste. „Das erste das wir bauen mussten, war eine „Strasse“, damit die AllradLKWs überhaupt fahren und wenden konnten“, so Weratschnig. Trotzdem konnte beispielsweise der Betonmischer nicht hinauf fahren, schließlich wurde „nur“ der Mischer des LKWs auf der Baustelle verwendet, um 160 m³ Beton für den komplett gedämmten Keller zu verwenden. Beim Holzbau wurden möglichst große vorgefertigte Teile angeliefert, die Zusammenarbeit erfolgte hier mit dem renommierten Weissenseer Holzbau. In einer Woche stand bereits das erste Geschoß, die Gewerke kämpften mit dem Wetter. Temperaturunterschiede von 15° Celsius innerhalb weniger Minuten, vorzeitige Wintereinbrüche im Oktober und Winde von über 120 km/h machten die Baustelle zu keinem Kinderspiel. „Wir wussten nie, ob wir am nächsten Tag weiter bauen konnten, doch die Gewerke haben bei diesem Projekt gut zusammengearbeitet und sich gegenseitig geholfen“, erklärt Weratschnig den Baualltag. Der in Holzriegelbauweise errichtete Neubau verfügt im Erdgeschoß über zwei zusammenhängende Gasträume, einer Küche, ein separates Stüberl sowie Toilettenanlagen. In den zwei Obergeschossen finden sich für den nach Nachtruhe suchenden Bergfex fünf Zimmer mit Stockbetten, drei Doppelzimmer ein Matratzenlager für zwölf Personen, WCs und Duschen. Ferner gibt es noch ein Büro und einen Raum für den Pächter. Jede Ebene breitet sich auf rund 200 m² aus. Welches Material wurde innen verwendet? Holz, genauer gesagt gemütliches Zirbenholz, dominiert auch in den Innenräumen als sichtbare Beplankung.
Der Innenausbau
Doch was wurde dahinter eingesetzt? Die Beplankung von Gipsplatten erfolgte, meistens direkt an OSB-Platten, welche die erste Schicht der Innenkonstruktionen darstellen. Abgehängte Decken, Vorsatzschalen, in denen beispielsweise die Technik für die Vakuumtoiletten integriert wurde, Schachtverkleidungen, imprägnierte Platten in den Nassbereichen wurden durchschnittlich von vier Mann des Trockenbauunternehmens Anton Oberhofer GmbH realisiert.
Wie nehmen die Kärnter die neue Gipfelhütte am Dobratsch an? Sehr gut wie es scheint, denn in den ersten eineinhalb Monaten konnten bereits 15.000 Besucher gezählt werden. Um die Frequenz zu halten, arbeiten die Hüttenwirte an neuen Ideen - eine davon ist zum Beispiel, Hochzeiten auszurichten. In einer der beiden Gipfelkirchen kann geheiratet werden und dann nur ein paar Meter darunter wird ordentlich gefeiert.