Neue AK in Wien
Von der Kammer ins moderne Büro
Die Wiener Arbeiterkammer bekam ein neues Hauptgebäude. Auch die Mitglieder haben was davon, weil es nun einen effizienten Servicebereich gibt.
Die Mitarbeiter der Arbeiterkammer in Wien hausten Jahrzehnte in einem typischen Beamtengebäude. Gebaut wurde es in den späten Fünfzigerjahren und konserviert wurde es lediglich dadurch, dass all die Jahre nichts daran gemacht wurde. Endlich war man zu der Auffassung gelangt, dass das Haus nicht mehr zeitgemäß wäre. Vom Funktionellen bis hin zum Brandschutz war es eigentlich nicht mehr tragbar und stellenweise wohl auch nicht mehr so tragend. Weil der Denkmalschutz eine Hand auf diverse Gebäudeteile hatte und ein Relikt nun mal ein Relikt ist, schied ein gänzlicher Abriss aus und der Hausherr trat mit einem aufwendigen Umbau die Flucht nach vorne an. Das Architektenteam Nehrer-Pohl-Bradic lieferte den Entwurf und das Ergebnis nach zwei Jahren Bauzeit ist, trotz Altbestand im Kern, ein gänzlich neues Haus. Sinnvoll, gefühlvoll und fantasievoll wurde ergänzt, was zu ergänzen war. Der Stoff dazu war vielfach Gipsplatten in verschiedenster Form und Fasson. Das schlanke Gerippe des Originalbaus diente als perfekte Grundlage für Verschalungen der Marke Trockenbau. In Kombination mit den alten Stilelementen, wie Luster, Uhr, Geländer und Aufzüge ist dem Bauherrn ein perfektes Facelifting gelungen. Gelungen ist es freilich in erster Linie den Trockenbauern, die sich als eingespielte Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden hatten, um die technische und kaufmännische Abwicklung der Großbaustelle im Team hinzubekommen.
Patchworken am Bau
Wo bis zu hundert Mann auf vier Bauabschnitten gleichzeitig werken und man erst nach und nach auf die Besonderheiten des Altbaus kommt, konnten die Partner auf Zeit ihre ganze Professionalität und Erfahrung ausspielen. Schon die nackten Zahlen beeindrucken. 15.000 Quadratmeter Sonderbrandschutzdecken und 1.600 Laufmeter Holz-Glas-Trennwände wurden verbaut. Was nach Akkordarbeit klingt, war de facto alles andere als das. „Es wurde montiert, wo es gerade ging“, erzählt Projektleiter Nikolaus Voit von den Besonderheiten beim Renovieren. Die Arbeit passierte also schrittweise, je nachdem, wo gerade genug Altbestand freigelegt und der Estrich bereits verlegt war. Die diversen Bautätigkeiten im Altbau waren gemäß den Trockenbauern herausfordernd, da erst mit dem Freilegen des Bestandes, die genaue Sachlage bekannt wurde. Angesichts solcher Umstände kann man erahnen, dass die Terminplanung, wie auch die Abstimmung der Lieferungen, eine verzwickte Angelegenheit gewesen sein muss. Ordnung muss aber sein und gerade was die Logistik betrifft, war daher eine klare Zuständigkeit vonnöten.
Puzzleaufgabe Innenausbau
All das ist beim Betrachten des fertigen Baus vergessen. Wer dieses begutachtet, stechen all die hellen und freundlichen Seiten aber auch bunten Holzteilen, den Übergängen zwischen den Baukörpern ins Auge. Reichlich Hirnschmalz ist hier für Sonderlösungen eingeflossen. Die Einzelelemente, ob sie aus Holz, Glas, Gipsplatten oder aus Kombinationen bestanden, waren in der Mehrzahl Einzelanfertigungen. Das Zusammensetzen kann man daher mit einem Puzzlespiel durchaus vergleichen. Damit die Bauteile nicht durcheinander kommen, weil ja so eine große Baustelle nicht wirklich überschaubar ist, war Logistik und systematischer Wandaufbau gefragt. Überraschungen blieben den Trockenbauern trotzdem nicht erspart, berichtet Projektleiter Gerhard Harnis: „Auf den Plänen war nicht alles so, wie man es tatsächlich dann auf der Baustelle vorgefunden hat.“ Da musste man sich eben am Bestand orientieren. Bei den Sägezahn-Decken etwa gingen die Aufhängungen erst einmal nicht standardmäßig. Improvisationstalent war daher gefragt und das ist in diesem Fall durchaus nicht mit Pfusch gleichzusetzen. Das Endergebnis zeugt davon, denn dieses besticht durch Sorgfalt im Detail. Über die Kompaktheit der Erscheinung kann man sich angesichts dessen schon wundern. Trockenbauer Harnis betont, dass Nachdruck beim Arbeiten erforderlich war. „Teilweise wurden Naturmaße herangezogen. Dann ging das Teil kurzfristig als Sonderanfertigung in Produktion, wurde geliefert und daraufhin eingebaut.“ Binnen Wochenfrist war zum Beispiel ein Spezialträger nachgefertigt und eingebaut worden. Man hat quasi just-in-time gebaut. Das gute Niveau der Planung konnte von den Ausführenden trotzdem gehalten werden, was auch vor den Kritikern in der freien Presse Anerkennung fand.
Kühldecke und Akustikputz
Dass an die siebenhundert Einzelpositionen zu bewerkstelligen waren, ist dem fertigen Objekt, das heute wie aus einem Guss erstrahlt, kaum anzusehen. Die Angestellten der Arbeiterkammer finden jedenfalls individuell gestaltete Räume vor, die den jeweiligen Ansprüchen angepasst sind. Einzelkojen etwa gibt es da mit Glas und Holz oder Sitzungsräume mit integrierter Präsentationstechnik und Kühldecke inklusive. Im Zwischenbereich von altem und neuem Bauteil spielt hingegen die Brandschutzlösung eine wesentliche Rolle. Zwischen den tragenden und den Trockenwänden sind Schleusen eingebaut, die sich im Brandfall verschließen. Im Erdgeschoß erfreut hingegen ein kleiner botanischer Garten das Auge des Besuchers. Die Aquapanel® Cement Board dazu lieferte die Firma Knauf. Trotz edlem Design wirkt das Haus auch in den Gängen und Foyers nicht unpersönlich. Das ist neben dem durchdachten Raumkonzept, auch der optischen Gestaltung zu verdanken. Akustikputz kam hier zum Einsatz, was ein allzu glattes Erscheinungsbild vermeiden hilft. Alles in Allem ist den Beteiligten das Kunststück gelungen, nicht nur ein bauhistorisches Denkmal zu retten, sondern die Geschichte mit Um- und Anbauten fortzuschreiben.