Integrierte Architektur
Neuer Einkaufstempel in Innsbruck
Mit der architektonischen Formsprache des britischen Stararchitekten David Chipperfield und dem durchdachten Shopkonzept des neuen Kaufhaus Tyrol ist ein neuer Einkaufstempel im Herzen der Landeshauptstadt der Alpenregion Tirol entstanden. Im modernen Shoppingcenter finden rund 50 Shops auf circa 30.000 m² Platz. Nach zweijähriger Bauzeit wurde dieses am 4. März eröffnet.
Ausgehend vom Grundstück des ehemaligen Kaufhaus Tyrol in der Maria- Theresien-Straße entstand ein Gebäudekomplex, dessen Neubau sich über das Blockinnere mit einem zentralen Atrium bis zur Erlerstraße hin erstreckt. Der Entwurf des britischen Stararchitekten David Chipperfield konnte letztlich überzeugen. Der Altbau, das sogenannte Schindlerhaus, wurde unter Berücksichtigung der Stadtbildpflege sorgfältig rekonstruiert, aufgestockt und in das Projekt integriert. „Die Kernaufgabe für das Kaufhausprojekt bestand darin, ein eigenständiges und identitätsstiftendes Gebäude als „Ersatz“ für die ehemaligen Häuser des Kaufhaus Tyrol zu schaffen und die für die Maria-Theresien-Straße untypisch lange Fassadenabwicklung, die nach dem Abriss der alten Gebäude entstanden ist, zu gestalten, so Axel Birnbaum von Dieter Mathoi Architekten. Durch Zusammenlegung von kleineren, nebeneinander stehenden Häusern wurden die Fassaden an der Maria-Theresien-Straße seit dem Mittelalter immer wieder verändert. Das Straßenbild ist geprägt von einer gewachsenen Struktur und den in leicht unregelmäßigem Rhythmus zueinander stehenden Gebäuden. Diesem Prinzip folgend ist die Fassadenflucht des neuen Kaufhaus Tyrol an der Maria-Theresien-Straße in drei leicht schräg zueinander stehende Bereiche gegliedert. Dadurch wird die relativ lange Fassade optisch gebrochen, ohne dass das Haus seine gestalterische Einheit verliert. Der mittlere Teil mit dem Haupteingang ist dabei subtil betont und wendet sich der Altstadt zu. Die Fassadenstruktur besteht aus tragenden, mit Naturstein versetzten Betonfertigteilen und raumhohen Fensteröffnungen. Konisch geformte Stützen gliedern die Fassade und bilden, wie besonders in der entscheidenden Schrägansicht deutlich wird, den stadträumlichen Abschluss der Maria-Theresien-Straße.
Klar und trocken
Im Blockinneren liegt die bei weitem größere Baumasse. „Wir haben auch hier das Volumen in kleinere, maßstäblichere Proportionen gebrochen, um es in die Struktur der Nachbarbebauung zu integrieren. Dadurch entwickelt sich ein skulpturales Spiel, das von der Straße, den Innenhöfen und dem Atrium, aber auch von den Bergen aus sichtbar wird“, ergänzt Projektleiter Birnbaum. Das zentrale Atrium zwischen den Gebäudeteilen ist einem überdachten Außenraum nachempfunden. Zwischen den inneren Fassaden dieser Gebäudeteile liegen Brücken, Treppen und Galerien als leichte Verbindungselemente. Diese wurden mit Knauf Trockenbausystemen verkleidet, denn in keiner anderen Bauweise ergeben sich solche Gestalungsmöglichkeiten, die mit dieser Geschwindigkeit realisiert werden können, erläutert Christian Oberneder von dem verantwortlichen Trockenbauunternehmen Haydn & Oberneder. Maximal waren 54 Trockenbauer im Einsatz, die Stahlträgerverkleidungen mit Knauf Fireboard montiert und zehntausende Quadratmeter 12,5 mm Knauf Platten, die als Decke und Wände eingesetzt wurden, verbaut haben. Durch die vorhandenen Gerüste konnte die Montage reibungslos erfolgen. Auffallend schlicht, aber doch einprägsam zieht sich ein Lichtband am Rande der Decke durch das Innere des Kaufhauses. Diese saubere Integration und der Anschluss des Lichtkörpers an die Decke wurde mit Formteilen realisiert. Baumeister Ing. Otmar Oswald von der BauManagement Oswald GmbH, verantwortlich für die örtliche Bauaufsicht und das Projektmanagement, sieht in diesem Projekt eine große Herausforderung, die wahnsinnig viel Spaß gemacht hat und an der alle Beteiligten am gleichen Strang gezogen haben und somit die geplante Realisierung dieses Projektes erleichtert haben.
Glaubwürdigkeit gefragt
Seit der Eröffnung strömen täglich 20.000 Besucher in den neuen Einkaufstempel der Innsbrucker Innenstadt, eine zweigeschossige Tiefgarage lindert das Parkplatzproblem. Die Tiroler dürften das Kaufhaus begeistert angenommen haben. Investor Rene’ Benko, Geschäftsführer er SIGNA Unternehmensgruppe, ist jedenfalls davon überzeugt, dass das Kaufhaus Tyrol durch die gelungene Symbiose von Zukunft, Tradition und außergewöhnlicher Architektur genau dieses Maß an Glaubwürdigkeit vermittelt, um ein breites Kundenspektrum zu begeistern.