Platz für 600 Wissenschaftler
"Neue Chemie" an TU Graz bereit für Studenten
Das größte Bauprojekt in der 200-jährigen Geschichte der TU Graz - die "Neue Chemie" ist fertig gestellt. Der Gebäudeblock an der Südseite der "Neuen Technik" bietet mit Semesterbeginn rund 8.000 Quadratmeter Nutzfläche, dazu kommen 2.200 Quadratmeter für ein Hörsaalzentrum im Innenhof der "Neuen Technik", an den der Neubau anschließt. Zwei Jahre Bauzeit und Trockenbaulösungen vom Feinsten waren der Fertigstellung voraus gegangen.
Mit dem Entwurf des Chemiegebäudes werden zwei wesentliche Ziele verfolgt: Ein städtebauliches, sowie ein architektonisches. Ziel ist es, einerseits das bestehende U der „Neuen Technik“ räumlich zu schließen, andererseits das Gelände durch die Aufwertung vorhandener und die Schaffung neuer Durchwegungen städtebaulich zu öffnen, so DI Gerhard Fast, Projektleiter und Generalplaner der Zinterl Architekten ZT GmbH aus Graz.
Mit rund 8000 Quadratmetern Nutzfläche bietet das Gebäude nunmehr Platz für rund 600 Studierende und Wissenschafter aus sieben Chemieinstituten. Den Eingangsbereich bildet ein zweigeschossiges, öffentliches Foyer und durch eine Wegeachse entsteht eine räumliche Verbindung zum großen in den Innenhof eingebauten Hörsaal. Dieser als verbindendes Element zwischen der U-förmigen "Neuen Technik" aus den 1920er Jahren und dem Neubau, dienend, kann bis zu 170 Studierende fassen. Dunkles Holz am Boden, an den Wänden , bei der Bestuhlung und eine runde weiß bemalte abgehängte Knauf Gipsdecke mit integrierter Technik dominieren diesen ästhetisch ansprechenden Vortragssaal. Im Erdgeschoss, wo alle nichttragenden Wände in Trockenbauweise realisiert wurden, und im ersten Obergeschoss entstehen die Studierendenlabors. Darüber kommen Forschungslabors und Messräume der Institute. An den Köpfen Ost und West liegen die dazugehörigen Büros auf zu den Labors unterschiedlichen Ebenen. „Eine Herausforderung für die Planungseite war es das gewünschte Raumprogramm in die Kubatur unterzubringen, die Größe der Räume war genau auf den m² vorgegeben, wir haben da mit einem Achsensystem gearbeitet“, erklärt Fast. Auch für das verantwortliche Trockenbauunternehmen war dieses Projekt etwas Besonderes: „Vom Brandschutz bis hin zu einer Untersicht im Eingangsbereich, die mit Aquapanel® Cement Board Outdoor realisiert wurde, war alles dabei. Es wurde um jeden Zentimeter Raumhöhe gekämpft, denn im Deckenbereich musste einiges an Technik integriert werden, wie Sie sich vorstellen können,“ so Trockenbauprojektleiter Stefan Luisser von Lieb Bau Weiz. Ein Musterlabor diente als Parameter.
Kunst am Bau
Neben den architektonischen und städtebaulichen Herausforderungen wurden auch zwei Kunstprojekte in das neue Gebäude installiert. Die sogenannte „Molekularkugel“, eine dreidimensionale Collage aus 14 Trompeten, 14 Posaunen und sieben Tuben des Grazers Constantin Luser, schmückt die Dachterrasse der „Neuen Chemie“, die als Sonnen- und Aufenthaltsdeck dienen soll. Trotz zusammenschweißen und verbiegen der Instrumente, ist dieses Cross-Over zwischen Kunst und Technik noch immer bespielbar. 35 Musiker werden im Zuge des steirischen Herbstes den Beweis antreten. Auch die Fassade des neuen Gebäudes ist Teil eines Kunstprojektes: „Die Nord und Süd – Fassade wurde mit einer „Haut“ aus siebbedrucktem, punktgehaltenem Glas überzogen. Im Bereich der Fensteröffnung ist diese „Haut“ mit beweglichen Glaslamellen versehen, die im geschlossenen Zustand eine einheitliche Oberfläche bilden. Diese Glaslamellen dienen zur Beschattung und als Blendschutz und werden automatisch auf den Sonnenstand ausgerichtet, sind aber auch individuell zu steuern. Diese, zusammen mit dem österreichischen Künstler Robert Schaberl entwickelte Fassade, wurde mit speziellen Farbpigmenten versehen, die den Gebäudekomplex je nach Perspektive in unterschiedlichen Farben schillern lassen und auch ein Molekül symbolisieren sollen. Durch diesen eindrucksvollen Neubau und seine optimale Einbindung soll auch der gesamte Altstadtrandbezirk Jakomini aufgewertet werden. Die nächsten Semester werden es zeigen, aber Optimismus ist durchaus angebracht.