Höchste Eisenbahn für die Renovierung
Das alte Gebäude des St.Pöltner Bahnhof bekommt einen neuen Schliff
V1856 war das St. Pöltner Bahnhofsgebäude errichtet worden und es veränderte über die Jahrhunderte entsprechend den geänderten Anforderungen immer wieder sein Aussehen. Vor der jetzigen Renovierung war der letzte Modernisierungsschub schon dreißig Jahre zurückgelegen. Also war höchste Zeit, wieder zu erneuern. Im August 2006 wurde schließlich mit den Arbeiten begonnen. Das historische Bahnhofsgebäude welches das Stadtbild wesentlich prägt, steht unter Denkmalschutz. Darum war auch kein gänzlicher Neubau zur Diskussion gestanden sondern lediglich eine denkmalpflegerische Sanierung der Su?dfassade mit Baumaßnahmen auch im Inneren. In der so genannten ehemaligen „Durchfahrt Kremser Straße“ entstand eine neue Kassenhalle. An diese schließt die zentrale Fussgängerpassage an, in welcher viele neu gestaltete Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe angesiedelt sind. Diese Passage verbindet von nun an die beiden Vorplätze nördlich und südlich der Geleise und ersetzt den westlichen Personentunnel. Damit hat man endlich ein Problem zufrieden stellend gelöst, dass schon bei der Errichtung des Bahnhofs für Aufsehen gesorgt hatte, nämlich die Trennung der beiden Stadtteile durch die Bahn..
Hauptaugenmerk auf die Kassenhalle
Die neue Kassenhalle ist das Schmuckstück des Bahnhofs geworden. Für die Gestaltung des bodennahen Bereichs griff man, um Beschmierungen besser abwaschen zu können, auf glasbeschichtetes Material zurück. Daran plan anschließend wurde das gut zehn Meter hohe Entreé bis unter die Decke mit Gipskartonplatten beplankt. Als Trägermedium fungieren hier OSB-Platten. Das Mauerwerk darunter entspricht den baulichen Standards von vor hundertfünfzig Jahren und entsprechend uneben waren die Voraussetzungen zur Bearbeitung. Richtung Bahnsteig sind mehrere Isolierverglasungen durch die man in die Halle hinunter sehen kann. So lässt sich für Reisende feststellen, ob etwa ein Mitreisender gerade nachkommt. „Die Holzbalkendecke wurde mit den Knauf Fireboardplatten auf Feuerfestigkeit der Brandschutzklasse 60 getrimmt,“ hebt Christoph Peham, Bauleiter vom Eferdinger Trockenbauunternehmen Phon Akustikbau GmbH die technische Komponente hervor. Die unterschiedlichen Brandschutzklassen auf einen Nenner zu bringen, war für ihn auch eine der größten Herausforderungen der Baustelle.
Unterm Dach die Technik
Eine weitere ist die lange Abwicklungsdauer. Wegen der Aufrechterhaltung des Vollbetriebes wurde und wird der Bahnhof ja etappenweise erneuert. Aber nicht nur der öffentliche Bereich wurde mit Trockenbausystemen saniert. Auch das Reisezentrum und insbesondere auch die Versorgungsräume wurden damit ausgekleidet. Die neue aufwendige Haustechnikanlage wurde zu großen Teilen im bestehenden Satteldach untergebracht. Zig Meter verlaufen hier die Rohre und Anlagen entlang des links und rechts abgeschrägten Raums. Die Platzierung der Rohre war mit CAD-Systemen vorausberechnet worden und auch der Bedarf der Feuerschutz- beziehungsweise Fireboardplatten war mittels Ermittlungsverfahren abgeschätzt worden. Unwichtig war das nicht, da man das benötigte Material von außen per Kran aufwendig heranschaffen musste. Dafür war extra eine Dachfläche vorübergehend weggenommen worden. Die Platten wurden direkt auf die Holzträger aufgebracht und der Raum war so auf die Brandschutzstufe EI 90 gebracht worden. Der Rohdachstuhl wurde freilich zuvor von einem Experten begutachtet und der befand ihn als ausreichend gut erhalten. Nur so konnte man sicher gehen, dass sich die Investition in den Dachstuhlausbau auch rentieren würde.
Noch viel zu tun
Ein Bauteil, der für das Trockenbauunternehmen noch ansteht, ist die „alte Kassenhalle“. Sie ist bis auf die Grundmauern entkernt worden. Eine Rohdecke, die noch eine alte Schilfisolierung hatte wird ebenso beplankt, wie die Stahlträger und Säulen zum Straßenraum hin. Dabei kommt es darauf an, jeweils die Brandschutzbestimmungen zu erfüllen und die entsprechenden Systeme optimal anzuwenden. Die verschiedenen Wandoberflächen mit Bauelementen aus den verschiedenen Epochen verlangen hingegen Maßnahmen, die ein homogenes Ganzes ermöglichen. Mittels Vorsatzschalen und Gipskartonwänden kann entsprechend reagiert werden. Die alte Kassenhalle wird, wenn dann die Arbeiten abgeschlossen sind, als Zugang zur Mariazellerbahn zur Verfu?gung stehen. Die Umbauarbeiten am Bahnhof St. Pölten, der pro Tag von rund 26.000 Fahrgästen frequentiert wird, gehen damit in ihre letzte Phase. Nachdem der Großteil des Gebäudes, inklusive der Vorplätze, bereits fertig renoviert ist, hat es schon diesen September eine offizielle Eröffnung unter reger Teilnahme von Politgrößen gegeben. Der Bauherrenvertreter und ÖBB-Vorstandsvorsitzende Christian Kern fand dabei würdigende Worte über das 208 Millionen Euro teure Projekt: „Die Gestaltung des neuen Bahnhof St. Pölten verbindet unsere Tradition mit unserer neuen, modernen Entwicklung."