Wiener U-Bahn steht auf CUBO
Nach der Decke gestreckt
Unterirdisch ist es allerdings nicht so einfach, hohe Räume zu bewerkstelligen. Einiges einfallen lassen musste man sich daher für die U-Bahn-Betriebsräume am Wiener Schottenring.
U-Bahn-Baustellen haben eigene Gesetze und da kann auch die einfachste Aufgabe zur Herausforderung werden. Hochwassergefahr, Raumenge und allerorts Lüftungsrohre hatten es den Planern sowie ausführenden Firmen nicht leicht gemacht, zwei größere Umkleideräume für das Personal der Wiener Linien zu errichten. Die Architektengruppe U-Bahn hat mit den besonderen Verhältnissen aber langjährige Erfahrung und holte aus dem wenigen Platz, der nach der Verlegung des U2-Bahnsteiges P 2008 zur Verfügung gestanden hatte, ein Optimum heraus. Die Räume welche längs der ehemaligen Gleisachse gestaffelt sind, wurden mit je über hundert Spinden versehen, welche zum Teil unter Rohrverkleidungen Platz fanden. Um in diesem besonderen Umfeld die bestmöglichen Lösungen anzuwenden, machte das Architektenteam ganz gezielt auch von der Knauf Kunden-Betreuung Gebrauch.
Geschlossene Raumeinheiten
Ein daraus resultierendes Ergebnis war die Umsetzung des Raum-in-Raum-System CUBO. Fireboard Platten im Ausmaß von 1.100 Quadratmetern Fläche waren dabei verwendet worden, um die brandschutzsicheren, extra belüfteten Umkleiden vom restlichen, unterirdischen Bestand abzuschotten. Zur Umsetzung der Brandschutzklasse EI 90 wurden die Wände innen und außen doppelt mit 20 Millimeter-Platten ausgeführt. 17 Zentimeter tief wurden diese ins Fundament eingelassen, das wegen der Hochwassergefahr vorgesehen worden war. „Die Decke wurde mit C-Profilen oben angeschlossen“, erläutert Architekt Vladimir Simko der für die Planung verantwortlich war. Die Kubendecken mussten in diesem Fall für die Revision der Leitungen auch von tragender Qualität sein. Bedingt begehbar wurde diese daher oberseitig ausgeführt und zwar in Kombination mit Holz-Werkstoffplatten.
Zusatzerfordernisse
Architektenkollege Andreas Jerabek betont die Erfordernisse des Baues: „Wegen der kalten Temperaturen, die im U-Bahn-Schacht im Winter herrschen, mussten die abgetrennten Innenräume auch extra beheizt ausgeführt werden.“ Die technischen Notwendigkeiten hören damit aber nicht auf. Ein Zugang zum Notstromaggregat musste frei bleiben und weil der Gang dadurch länger wurde, war dann auch noch eine Rauchentlüftung notwendig geworden. Dazu kommt noch ein Vorraum zur Lüftungsverteilung der vorzusehen war. Für die Unterbringung der Umkleiden, inklusive WC- und Nassräume, blieb am Ende nur rund 50 mal 4 Meter Platz. „Wenig Spielraum zum Gestalten“, bringt es Jerabek auf den Punkt.
Flexibles Formrohr
Für die Umsetzung hat er daher stark auf Firmen vertraut, die seiner Meinung nach, der Aufgabe gewachsen waren. Unter anderem war das Trockenbauunternehmen Perchtold beauftragt worden. Bei Knauf sieht man den erstmaligen Einsatz des Trockenbaus im U-Bahn-Bereich als weitere gelungene Bewährungsprobe der vielseitigen Systeme. Kundenbetreuer Bernd Landsmann dazu: „Es gab einfach auch eine Vielzahl an Materialien, die Verwendung fanden, zum Beispiel Teleskop-Steher, mit denen flexibel auf die Raumhöhe reagiert werden konnte.“ In den Innenräumen wurde auf die maximal mögliche Höhe hinaufgestuft wo es ging. Und somit bleibt auch für das Personal der Wiener Linien genug Höhe um sich beim Umziehen einmal ordentlich nach der Decke zu strecken.